Ein guter Redakteur studiert am Morgen erst einmal die Konkurrenz. Und freut sich, was die möglicherweise alles nicht hat. Das gibt ihm den notwendigen Schwung, den Wust der neuesten Nachrichten zu sortieren, die zu Dutzenden per E-Mail eingetroffen sind. Rund um die Uhr trifft das Material in den elektronischen Postkästen ein.
Was da innerhalb von Stunden zusammenkommt, würde weitaus mehr als nur eine Zeitung für Rheine, Neuenkirchen und Wettringen füllen.
11.30 Uhr: Beim Fotografen füllen sich die elektronischen Ordner mit den zu bearbeitenden Bildern. Die digitale Revolution hat auch die Bildbearbeitung fast ausschließlich an den Computer verlegt. Papierabzüge haben fast schon Seltenheitswert. Das Gros der Bilder kommt als Datei in die Redaktion. Und auch der Fotograf arbeitet selbstverständlich mit modernster Digitaltechnik. Überbelichtete Bereiche nachbearbeiten, Konturen verschärfen sowie hier und da ein paar „Schönheitskorrekturen“ - das alles geschieht in der virtuellen Dunkelkammer am PC. Und zwar im Bruchteil der Zeit, die vor wenigen Jahren noch die Bildbearbeitung beanspruchte. Der Fotograf bearbeitet, bevor er zum ersten Termin fährt, jedes der bereits vorliegenden Bilder optimal und stellt es den Redakteuren zur Verfügung, die somit frühzeitig planen können.
13.00 Uhr: Eigentlich ist für eine Stunde Mittagspause. Doch der Einsatz an der Unfallstelle hat länger gedauert. Drei Fahrzeuge sind ineinander gefahren, vier Personen verletzt, davon eine schwer. „Das müssen wir auch den Kollegen von der Westfalenseite anbieten“, meint der Fotograf. Zuvor hat er bereits mit dem Kollegen in der Online-Redaktion telefoniert, die wichtigsten Daten durchgegeben. Im Online-Auftritt der MV ist bereits eine erste Kurzmeldung zu lesen. „Online first“ lautet die Devise auch bei der MV.
14.00 Uhr: Kurze Besprechung. „Was haben wir?“, fragt der Redaktionsleiter. Der Unfall war unvorhergesehen, „den ziehen wir über den Landrat“, schlägt der Kollege vor, der sich heute um die Gestaltung der Seite kümmert. Ein Redakteur hat in der Mittagspause das Gerücht gehört, eine Firma im Industriegebiet mit 40 Mitarbeitern sei pleite. „Ich kümmer mich darum.“ Seine umfangreichen Recherchen werden das Gerücht am Nachmittag bestätigen. Die Seite eins hat eine weitere wichtige Nachricht, der Bericht über die Sommerradtour des Landrats wird etwas kleiner.
„Wer macht was?“, lautet die obligatorische Frage des Redaktionsleiters zum Abschluss der Besprechung. Aber auch die Termine des nächsten Tages werden bereits diskutiert. Denn die Polizei hat Fahrradkontrollen zum Schulbeginn vor einem Rheiner Gymnasium angekündigt. Da muss einer der Kollegen mal etwas früher raus...
15.00 Uhr: Noch immer sind einige Kollegen unterwegs zu Terminen. Der Rest telefoniert, schreibt an seinen Seiten. Stück für Stück entsteht das Seitenlayout am Rechner, jeder hat dabei seine eigene Strategie. Doch die meisten beginnen mit dem Aufmacher der Seite, dem Haupttext, der oben steht. Heutekästen werden geschrieben, Ankündigungen platziert, Berichte bearbeitet, Fotos in die Texte eingeladen, Meldungen verfasst. Und immer wieder klingelt zwischendurch das Telefon. Leser bitten darum, dass ihre Hinweise veröffentlicht werden, geben Anregungen oder üben Kritik. Die Redakteure nehmen sich jedes Mal viel Zeit für diese Gespräche mit ihren „Kunden“ - denn dabei erfahren sie am meisten.
16.35 Uhr: Anruf von der Feuerwehr: „Wohnungsbrand“. Ein Fall für den Fotografen und einen Redakteur. Beide lassen alles stehen und liegen und springen in den Dienst-Lupo. Eine vergessene Herdplatte hat den Brand ausgelöst, die Wehr ist mit großer Mannschaft ausgerückt. Das Martinshorn ist bis in die Redaktion zu hören. Und auch hier gilt: „Online first“. Die Kollegen sind gerade an der Einsatzstelle eingetroffen, da telefonieren sie bereits wieder mit der Redaktion, geben erste Informationen durch, die der Redakteur dann schnell online setzt.
17.30 Uhr: Zurück in der Redaktion wird die Seite eins für morgen noch einmal umgeplant. Der Brand muss nach vorne, die Radtoru des Landrats rutscht auf Seite drei, dort wird ein Artikel der Taubenzüchter auf den nächsten Erscheinungstag geschoben. Die Aktualität geht eben vor. Der Fotograf bearbeitet rasch die Bilder vom Brand. Eines für die Printausgabe der MV, die anderen für eine Bilderstrecke im Internet.
17.45 Uhr: Inzwischen sind die ersten Lokalseiten fertig gestaltet und kommen im DIN-A3-Format aus dem Drucker. Jetzt wird Korrektur gelesen - eine wichtige Aufgabe, denn die Lokalzeitung soll möglichst fehlerfrei erscheinen. Der Redaktionsleiter arbeitet noch an der „Eins“, schreibt die letzten Bildzeilen. Mit Unfall und Brand sowie Insolvenz bietet die MV ihren Lesern auf der Seite eins wieder einen guten Nachrichten-Querschnitt. Aus der Geschichte der Leserin über ihren Enkel hat der Kollege zudem einen „Rheiner Emsig“ geschrieben, der vielen Lesern ans Herz gehen wird.
18.15 Uhr: Einer der Sportredakteure und der Fotograf machen sich auf den Weg zum Delsen, bis auf den aktuellen Artikel sind die beiden Sportseiten fertig - ebenso wie die Neuenkirchener Seiten. Nachdem der Redakteur für Neuenkirchen die letzten Korrekturen auf seinen Seiten gemacht hat, hat er sich um 17.30 Uhr auf den Weg zur Sitzung des Gemeinderates gemacht. Sein Arbeitstag wird um 19.45 Uhr enden.
18.45 Uhr: Fast alle Seiten sind korrigiert und können nun „belichtet“ werden. Die Redaktion gibt sie damit frei zum Versenden per Datenleitung ins Druckhaus nach Münster. Lediglich die Seite eins ist noch offen. Der Kollege, der die Insolvenz des Betriebes recherchiert hat, wartet noch auf den Rückruf des Betriebsratsvorsitzenden. Erst nach dessen Stellungnahme um 19.15 Uhr ist sein Bericht „rund“ und kann veröffentlicht werden.
21.00 Uhr: Sportredakteur und Fotograf kommen vom Spiel zurück. 3:1 hat der FCE im Lokalderby gewonnen - da schreibt es sich für einen Lokaljournalisten doch viel leichter. Der Fotograf lädt gerade die Fotos herunter und bietet dem Sportredakteur sechs packende Spielszenen an.
„Wie lange?“, fragt der Fotograf. „In einer dreiviertel Stunde bin ich fertig“, schätzt der Sportler. Dann schickt er die letzte Lokalseite der MV an diesem Tag ins Druckhaus nach Münster. Ab 23.05 Uhr wird die MV gedruckt.




